Ratgeber Knie › Übungen

Die besten Übungen bei Knieschmerzen

Nach Schmerzort sortiert – vorn, innen, außen – plus zwei zum Kräftigen. Mit dem, was in den meisten Anleitungen fehlt: klaren Signalen, wann du aufhören solltest.

Lesezeit 9 Minuten·zuletzt aktualisiert im August 2026

Unsicher bei der Ausführung?

Beim Alleineüben fällt ein Fehler niemandem auf. Wir gehen die Übungen mit dir durch, bis sie sitzen.

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Vier Regeln, bevor du anfängst

  • Langsam und kontrolliert. Schwung nimmt der Dehnung ihre Wirkung.
  • Nur bis zum Wohlfühlschmerz. Ein Ziehen, das sich gut anfühlt – nie ein stechender Schmerz.
  • Bei akuter Entzündung pausieren. Schwellung, Rötung, Wärme sind keine Übungssituation.
  • Im Zweifel fragen. Ein Fehler in der Ausführung fällt beim Alleineüben niemandem auf.
Warnzeichen

Wann Übungen der falsche Weg sind

Diese Zeichen brauchen ärztliche Abklärung:

  • Nach Sturz oder Unfall: Du kannst das Bein nicht belasten oder das Knie steht sichtbar fehl – Verdacht auf Bruch oder Bänderriss.
  • Du kannst das Knie nicht mehr strecken oder beugen – eine mechanische Blockade gehört sofort angesehen.
  • Das Knie ist stark geschwollen, gerötet und heiß, dazu Fieber – Verdacht auf eine bakterielle Gelenkinfektion.
  • Plötzliche starke Schwellung und Schmerz in nur einer Wade – das kann eine tiefe Venenthrombose sein. Lebensgefahr, sofort handeln.

Bei Schmerzen vorn am Knie

Der Oberschenkelmuskel setzt an der Kniescheibe an. Ist er verkürzt, presst er sie in ihre Gleitrinne – das ist der Zug, den diese beiden Übungen nehmen.

Dehnen

Vorderseite in Seitenlage

  • Befestige ein festes Band oder Handtuch am Vorfuß.
  • Leg dich in Seitenlage und zieh den Oberschenkel des oberen Beins leicht hinter die Körperlinie.
  • Fass das Band und zieh die Ferse langsam Richtung Gesäß.
  • Beim Wohlfühlschmerz halten. Lässt er nach, zieh weiter. Ein bis zwei Minuten.
Ausrollen

Faszienrolle vorn

  • In Bauchlage, die Rolle knapp oberhalb der Kniescheibe – am besten eine mit Rille.
  • Auf den Unterarmen abstützen.
  • Millimeterweise Richtung Becken rollen. Sehr langsam.

Bei Schmerzen an der Innenseite

Dehnen

Innenseite im Stehen

  • Stell dich an einen Tisch oder eine Wand zum Abstützen.
  • Beine gestreckt, langsam mit den Füßen nach außen gehen.
  • Auf sicheren Stand achten – nur wer nicht rutscht, kann entspannen.
  • Beim Wohlfühlschmerz halten, dann weiter nach außen. Ein bis zwei Minuten.
Kräftigen

Kissen zwischen den Knien

  • Auf einen Stuhl setzen, Kissen oder Ball zwischen die Knie.
  • Zehn Sekunden fest zusammendrücken.
  • Fünf Sekunden vollständig lösen.
  • 15 Wiederholungen.

Kräftigt ohne Bewegung im Gelenk – deshalb meist auch bei Reizung gut verträglich.

Bei Schmerzen an der Außenseite

Dehnen

Außenseite an der Wand

  • Seitlich neben eine Wand stellen.
  • Das wandferne Bein hinter dem anderen kreuzen.
  • Die Hüfte langsam zur Wand lehnen, bis es außen deutlich zieht.
  • 30 bis 60 Sekunden je Seite.
Kräftigen

Bein zur Seite heben

  • Ein Theraband um die Knöchel oder Oberschenkel legen.
  • Seitlich hinstellen, bei Bedarf festhalten.
  • Das außenstehende Bein langsam gegen den Widerstand zur Seite heben.
  • 15 Wiederholungen je Seite.

Ist die seitliche Gesäßmuskulatur zu schwach, kippt das Becken beim Laufen ab und überlastet die Knieaußenseite. Genau das ist der Mechanismus hinter dem Läuferknie.

Aus der Praxis

„Ich bin mit extremen Einschränkungen durch Hüftarthrose auf die Praxis gestoßen. Rocco ging immer auf meine Probleme ein und zeigte mir Übungen, die meine Schmerzen stark reduzieren ließen. Das liegt auch daran, dass er individuell nachjustiert und meine Schummeleien keine …“ Chance hatten. Trotz der Anstrengungen kam der Spaß nie zu kurz.“

Thomas · 5 von 5 Sternen · Patienten-Bewertung, 03.10.2023

Zwei Übungen für jedes Knie

Bein strecken im Sitzen

  • Aufrecht auf einen Stuhl setzen, Rücken gerade.
  • Ein Bein langsam und kontrolliert nach vorn strecken.
  • Die volle Streckung fünf Sekunden halten und dabei den Oberschenkel fest anspannen.
  • Langsam absenken. 15 Wiederholungen je Bein.

Kräftigt den Muskelanteil, der die Kniescheibe führt – ohne das Gelenk voll zu belasten.

Wadenheber im Stand

  • Aufrecht stehen, bei Bedarf an der Wand abstützen.
  • Beide Fersen langsam so hoch wie möglich heben.
  • Zwei Sekunden auf den Ballen halten.
  • Langsam absenken. 20 Wiederholungen.

Die Wade dämpft beim Gehen und Laufen den Stoß ab, bevor er das Knie erreicht.

Wann du aufhören solltest

  • Bei zunehmendem oder stechendem Schmerz während der Übung.
  • Wenn sich danach eine Schwellung oder Überwärmung entwickelt.
  • Bei Taubheit oder Kribbeln im Bein.
  • Wenn sich nach zwei Wochen konsequentem Üben nichts gebessert hat.

In diesen Fällen geh zu einem Arzt oder Therapeuten. Und noch etwas, das die Sache oft erklärt: Knieschmerzen – besonders die vorn – sind häufig nur das Symptom einer Verkürzung, die weiter oben beginnt: am Hüftbeuger oder im unteren Rücken. Wie das zusammenhängt, steht im großen Knie-Ratgeber.

Für beste Ergebnisse: täglich oder mindestens drei- bis viermal pro Woche üben, langsam steigern und mit gelenkschonender Ausdauer kombinieren – Radfahren oder Schwimmen.

Wie oft, wie lange, wie stark

Dehnungen täglich, in den ersten zwei bis drei Wochen ohne Auslassen. Danach reicht jeder zweite Tag. Kräftigung dagegen braucht Pausen: dreimal die Woche mit einem Ruhetag dazwischen, weil der Muskel in der Pause stärker wird, nicht während der Übung.

Zur Stärke: Arbeite beim Dehnen bis an den Wohlfühlschmerz heran – gut spürbar, aber eben noch nicht unangenehm. Bei der Kräftigung bleib etwas darunter. Ein Muskelkatergefühl am Tag danach ist in Ordnung. Ein Schmerz im Gelenk selbst ist es nicht – dann war die Ausführung falsch oder die Last zu hoch.

Die häufigsten Ausführungsfehler

Bei fast jeder Übung weicht der Körper an derselben Stelle aus. Wer diese vier kennt, braucht keine Korrektur von außen:

  • Das Knie kippt nach innen. Bei Kniebeuge und Ausfallschritt der Klassiker. Stell dir vor, du drückst die Knie leicht nach außen, ohne die Füße zu bewegen.
  • Das Becken kippt nach vorn. Beim Dehnen der Oberschenkelvorderseite dreht es fast automatisch mit – dann dehnt sich der Rücken statt des Muskels. Gesäß bewusst anspannen.
  • Zu schnell. Gerade bei bremsenden Übungen ist das Tempo der Reiz. Drei Sekunden abwärts, nicht eine.
  • Luft anhalten. Wer presst, spannt überall mit. Atme in der Anstrengung aus.

Film dich einmal mit dem Handy von vorn und von der Seite. Man sieht in dreißig Sekunden mehr als in drei Wochen Gefühl.

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Nächster Schritt

Die richtige Übung – und die richtige Ausführung

Eine Übung wirkt nur, wenn sie sitzt. Wir gehen sie mit dir durch, korrigieren die Details und wählen die zwei bis vier aus, die zu deinem Muster passen.

Oder ruf an: (030) 2084 7547 – Montag bis Freitag, 08:00–19:00 Uhr.