Blog

Manuka-Honig: was belegt ist und was nicht

Lesezeit 6 Minuten·zuletzt aktualisiert im August 2026

Offenes Glas mit bernsteinfarbenem Honig und hölzernem Honiglöffel

Manuka-Honig hat einen Ruf, der zwischen Hausmittel und Wundermittel schwankt. Beides trifft es nicht. Für einen Teil seiner Anwendungen gibt es gute Belege – für einen anderen Teil nur Erzählungen. Dieser Beitrag trennt das eine vom anderen.

Was Manuka-Honig ist

Er stammt aus dem Nektar der Südseemyrte, Leptospermum scoparium, die vor allem in Neuseeland und Teilen Australiens wild wächst. Was ihn von anderen Honigen unterscheidet, ist ein einzelner Inhaltsstoff in ungewöhnlich hoher Konzentration: Methylglyoxal, abgekürzt MGO. Fast alle Honige wirken in gewissem Maß antibakteriell, allerdings über Wasserstoffperoxid, das enzymatisch entsteht. Dieses System ist empfindlich: Wärme, Licht und Körperflüssigkeiten bauen es ab. MGO dagegen ist eine stabile Substanz. Sie überlebt Erhitzen und bleibt auch im feuchten Milieu einer Wunde aktiv.

Wo die Belege gut sind: die Wunde

Der am besten untersuchte Einsatzbereich ist die äußerliche Anwendung. Medizinischer Manuka-Honig – steril aufbereitet und als Medizinprodukt zugelassen – wird in Kliniken zur Behandlung schlecht heilender Wunden verwendet, etwa bei chronischen Beingeschwüren und Druckgeschwüren. Was er dort leistet: Er hält das Wundmilieu feucht, wirkt gegen Bakterien und zieht durch seinen hohen Zuckergehalt Flüssigkeit aus dem Gewebe, was Schwellungen mindert. Auch gegen einige Keime, die auf gängige Antibiotika nicht mehr ansprechen, zeigt er im Labor Wirkung.
Wichtiger Unterschied: Der Honig aus dem Reformhaus ist kein Medizinprodukt. Für kleine Alltagswunden ist er unproblematisch; auf tiefe, stark verschmutzte oder chronische Wunden gehört ausschließlich steril aufbereiteter medizinischer Honig – und diese Wunden gehören ohnehin in ärztliche Hände.

Wo die Belege dünn sind: die innerliche Anwendung

Für die Vorstellung, dass gegessener Manuka-Honig Gelenkentzündungen bei Arthrose oder Rheuma lindert, gibt es keine belastbaren Daten. MGO wird im Magen-Darm-Trakt verstoffwechselt; dass es in wirksamer Konzentration in einem Kniegelenk ankommt, ist nicht gezeigt. Etwas besser sieht es im Mund- und Rachenraum aus – dort hat der Honig direkten Kontakt mit dem Gewebe. Bei Halsschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut ist ein Versuch vernünftig, schon weil die zähe Konsistenz die Schleimhaut überzieht und beruhigt. Bei Husten ist die lindernde Wirkung von Honig allgemein gut dokumentiert – dafür braucht es allerdings keinen teuren Manuka.

Kein Ersatz für Antibiotika

Warnzeichen

Diese Grenze ist wichtig

Manuka-Honig ist kein Antibiotikum und keine Alternative dazu:
  • Bei einer bakteriellen Infektion mit Fieber – Lungenentzündung, Nierenbeckenentzündung, Wundrose – gehört unverzüglich ärztliche Behandlung her. Eine verschleppte Infektion kann lebensgefährlich werden.
  • Honig darf niemals an Säuglinge unter einem Jahr gegeben werden. Er kann Sporen enthalten, die im unreifen Darm zu Säuglingsbotulismus führen – einer seltenen, aber lebensbedrohlichen Erkrankung. Das gilt für jeden Honig, auch für Manuka.
  • Bei Diabetes ist Honig zuallererst Zucker: Ein Teelöffel enthält etwa fünf Gramm Kohlenhydrate. Bitte in die Berechnung einbeziehen und ärztlich absprechen.
  • Bei einer Allergie gegen Bienenprodukte ist er tabu.
  • Bei stark geschwächtem Immunsystem – etwa während einer Chemotherapie – nur nach Rücksprache.

Was die MGO-Zahlen bedeuten

Auf jedem Glas steht eine Zahl, meist als „MGO 250+“ oder „UMF 10+“. Sie gibt den Gehalt an Methylglyoxal in Milligramm je Kilogramm an. UMF ist ein neuseeländisches Gütesiegel, das zusätzlich weitere Merkmale prüft.
  • MGO 100+ – niedrige Konzentration, für den täglichen Gebrauch auf dem Brot.
  • MGO 250+ – mittlere Stufe, üblich für Hals und Mundraum.
  • MGO 400+ – hohe Konzentration, meist für äußerliche Anwendung.
  • MGO 550+ und darüber – sehr hoch, entsprechend teuer.
Ob eine höhere Zahl auch mehr nützt, hängt vom Zweck ab. Für die Wunde ist die Konzentration bedeutsam. Für den Löffel im Tee ist sie vor allem preisbestimmend.

Worauf du beim Kauf achten solltest

  • Eine ausgewiesene MGO- oder UMF-Zahl. Ohne Angabe ist unklar, was drin ist.
  • Herkunftsnachweis aus Neuseeland. Neuseeländischer Manuka-Honig unterliegt einer staatlichen Definition und Prüfung.
  • Realistischer Preis. Echter Manuka mit hoher MGO-Zahl ist teuer. Ein Sonderangebot ist ein Warnsignal.
  • Dunkles Glas, kühl und trocken gelagert. Das schützt die übrigen Inhaltsstoffe.

Anwendung im Alltag

  • Innerlich: ein bis zwei Teelöffel täglich, pur oder in lauwarmem Tee. MGO überlebt Wärme, andere Honigbestandteile nicht – deshalb möglichst unter 40 Grad.
  • Als Spülung: einen Teelöffel in lauwarmem Wasser auflösen und bei Halsschmerzen gurgeln.
  • Äußerlich: dünn auf kleine, saubere Wunden oder gereizte Hautstellen, mit einem Verband abdecken. Bei größeren oder tieferen Wunden bitte ärztlich abklären lassen.

Warum ausgerechnet dieser Honig so teuer ist

Die Südseemyrte blüht nur wenige Wochen im Jahr, oft in schwer zugänglichem Gelände, und die Erntemenge schwankt stark mit dem Wetter. Dazu kommt der Prüfaufwand: Seit 2018 gilt in Neuseeland eine gesetzliche Definition, welcher Honig als Manuka verkauft werden darf, samt vorgeschriebener Laboranalyse. Das ist der Grund für den Preis – und zugleich der Grund, warum es sich lohnt, auf die Herkunftsangabe zu achten. Ein Glas ohne Prüfzahl und ohne neuseeländischen Nachweis ist im Zweifel gewöhnlicher Blütenhonig zum zehnfachen Preis.

Wie wir das in der Praxis einordnen

Wir arbeiten mit Menschen, die Schmerzen haben, nicht mit Nahrungsergänzung. Manuka-Honig ist bei uns kein Therapiebestandteil und wird nicht verkauft. Wenn er zur Sprache kommt, dann meist, weil jemand fragt – und die Antwort lautet: für Hals und kleine Wunden gern, gegen Gelenkschmerz erwarte nichts davon. Was bei entzündlich mitbedingten Schmerzen tatsächlich etwas verändert, ist die Ernährung als Ganzes: weniger Zucker, weniger stark verarbeitete Lebensmittel, mehr Gemüse und gute Fette. Der Ratgeber zu Ernährung und Entzündungen geht das in Ruhe durch.

Häufige Fragen

Ist Manuka-Honig sein Geld wert?
Für die äußerliche Anwendung bei schlecht heilenden Wunden: ja, in medizinischer Qualität. Für den täglichen Löffel im Tee: Ein guter regionaler Honig tut es genauso, zum Bruchteil des Preises.
Kann ich ihn dauerhaft nehmen?
Ein bis zwei Teelöffel täglich sind für gesunde Erwachsene unproblematisch, sofern der Zuckeranteil in die Tagesbilanz passt. Eine Dauerkur über Monate hat keinen belegten Zusatznutzen.
Wirkt er gegen multiresistente Keime?
Im Labor und auf der Wundoberfläche zeigt er Wirkung gegen einige dieser Keime. Daraus folgt nicht, dass man eine Infektion damit behandeln kann. Eine systemische Infektion braucht ein Antibiotikum.
Verliert er im heißen Tee seine Wirkung?
MGO bleibt stabil. Enzyme und einige Antioxidantien nicht – die gehen ab etwa 40 Grad verloren. Wer den ganzen Honig will, rührt ihn in lauwarme Flüssigkeit.

Wenn du damit nicht weiterkommst

Wenn dein Schmerz entzündliche Anteile hat, sehen wir uns beides an: die Spannung im Gewebe und das, was den Körper von innen unter Druck setzt.

Oder ruf an: (030) 2084 7547 – Montag bis Freitag, 08:00–19:00 Uhr.

Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche Beratung und keine Behandlung. Bei Infektionen mit Fieber, bei schlecht heilenden Wunden und bei bestehenden Erkrankungen wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.

Weitere Beiträge

ISG-Schmerzen: was wirklich dahintersteckt

Tiefer, einseitiger Schmerz über dem Gesäß, Anlaufschmerz beim Aufstehen – oft das Iliosakralgelenk, nicht die Bandscheibe. Wie du beides unterscheidest und warum Kräftigen allein selten reicht.

Lesezeit 10 Minuten

Auf dieser Seite
Nächster Schritt

Hast du genug gelesen?

Lesen erklärt die Ursache. Finden muss man sie am Menschen – und lösen mit den Händen. Wir tasten, wo die Spannung sitzt, lösen sie per Osteopressur und zeigen dir dein Übungsprogramm für zu Hause.

Oder ruf an: (030) 2084 7547 – Montag bis Freitag, 08:00–19:00 Uhr.