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Hüftschmerzen links oder rechts – und was beim Gehen passiert

Einseitiger Schmerz sagt für sich genommen wenig über die Ursache. Was er verrät, ist etwas anderes: Eine Seite arbeitet seit Längerem mehr als die andere.

Lesezeit 8 Minuten·zuletzt aktualisiert im August 2026

Seit Wochen dieselbe Seite?

Einseitige Muster schleifen sich ein. Je früher sie gelöst werden, desto weniger muss der Körper ausgleichen.

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Warum trifft es nur eine Seite?

Kaum jemand steht, geht und sitzt symmetrisch. Die Tasche hängt immer über derselben Schulter, das Kind sitzt immer auf derselben Hüfte, ein alter Knöchelbruch lässt dich seit Jahren minimal anders abrollen. Der Körper gleicht das aus – bis die Seite, die mehr trägt, sich meldet.

Das sind die Ursachen, die wir in der Praxis am häufigsten finden:

Muskuläres Ungleichgewicht

Die Hüftstabilisatoren einer Seite – vor allem der mittlere Gesäßmuskel – sind überlastet. Der Schmerz sitzt meist seitlich und strahlt in den Oberschenkel.

Beckenschiefstand

Oft durch eine Beinlängendifferenz. Die Belastung verteilt sich ungleich, die Beschwerden entwickeln sich langsam und werden erst spät bemerkt.

Blockade im Iliosakralgelenk

Das Gelenk zwischen Kreuzbein und Becken bewegt sich nur wenige Millimeter – wenn es klemmt, kompensiert die Hüfte. Typisch beim Gehen und beim Aufstehen.

Seitliche Reizung

Sitzt der Schmerz über dem großen Rollhügel und zieht in die Außenseite, steckt oft eine Schleimbeutelentzündung oder ein gereizter Tractus iliotibialis dahinter.

Wenn der Schmerz gar nicht aus der Hüfte kommt

Manche Beschwerden im Bauchraum können sich in die Hüft- und Leistenregion projizieren. Eine gereizte Blinddarmregion rechts, eine Entzündung im linken Dickdarmabschnitt, Nierensteine auf beiden Seiten – das kommt vor.

Das ist ausdrücklich kein Behandlungsfeld für uns, sondern ein Grund zum Arzt zu gehen. Du erkennst solche Ursachen daran, dass der Schmerz sich nicht bewegungsabhängig verändert: Er wird beim Dehnen nicht stärker und in Ruhe nicht besser. Häufig kommen Fieber, Übelkeit oder Veränderungen bei Verdauung oder Wasserlassen dazu.

Ein muskulärer Schmerz dagegen reagiert auf Bewegung – genau das prüft der Selbsttest.

Nachts und in Ruhe

Nachts in der Seitenlage ist der häufigste Zeitpunkt überhaupt. Meist steckt ein Spannungsschmerz dahinter: Im Schlaf fährt der Körper die Temperatur herunter, das Fasziengewebe rund um das Gelenk wird fester. Wer dann auch noch auf der betroffenen Seite liegt, drückt genau auf den gereizten Bereich.

Schmerz, der dauerhaft in Ruhe da ist – unabhängig von Tageszeit und Lage – ist ein anderes Zeichen. Er kann auf eine Entzündung im Gelenk oder im Schleimbeutel hinweisen. Das gehört ärztlich angesehen.

Was du heute Nacht versuchen kannst: ein Kissen zwischen den Knien, damit das Becken gerade bleibt; eine Wärmflasche auf die schmerzende Seite vor dem Einschlafen; und vor dem Zubettgehen 60 Sekunden den Hüftbeuger dehnen.

Drei Übungen für die betroffene Seite

Immer beide Seiten üben, auch wenn nur eine wehtut – sonst vergrößerst du das Ungleichgewicht.

Übung 1

Gesäßmuskulatur dehnen

  • Auf den Rücken legen, beide Beine aufstellen.
  • Den Knöchel der schmerzenden Seite auf das Knie der anderen legen.
  • Den Oberschenkel des gesunden Beins zu dir heranziehen, bis du im Gesäß eine Dehnung spürst.
  • Mindestens 60 Sekunden halten.

Entlastet den Ischiasnerv und dehnt die tiefen Hüftrotatoren.

Übung 2

Hüftbeuger im Ausfallschritt

  • Ein Knie am Boden, gepolstert. Das andere Bein im rechten Winkel davor.
  • Die Leiste des hinteren Beins aktiv nach vorn schieben.
  • Bauch anspannen, kein Hohlkreuz.
  • Mindestens 60 Sekunden halten.

Mildert einen Beckenschiefstand und entlastet die Lendenwirbelsäule.

Übung 3

Hüfte pendeln lassen

  • Auf einen hohen Stuhl oder Tisch setzen, sodass die Beine frei schwingen.
  • Das Bein locker hängen lassen und sanft pendeln – vor und zurück, leicht nach innen und außen.
  • Ein bis zwei Minuten, ohne Kraft.

Fördert die Gelenkflüssigkeit und verbessert die Beweglichkeit – gut bei Arthroseverdacht.

Diese Übungen nehmen Spannung heraus. Ein eingeschliffenes einseitiges Muster – ein Beckenschiefstand oder eine Verkürzung durch jahrelange Schonhaltung – löst sich damit meist nicht dauerhaft. Was dann hilft, steht im Hüft-Ratgeber.

Warnzeichen

Wann du nicht weiterüben, sondern zum Arzt gehen solltest

Diese Zeichen brauchen eine ärztliche Abklärung, keine Dehnung:

  • Du kannst nach einem Sturz nicht mehr gehen oder das Bein belasten – Verdacht auf einen Bruch, etwa des Schenkelhalses oder einen Ermüdungsbruch.
  • Plötzliche, unerträgliche Schmerzen mit Fieber oder Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl – Verdacht auf eine bakterielle Gelenkinfektion.
  • Starke Hüft- oder Leistenschmerzen, die in den Bauchraum ausstrahlen – das kann auch von einem Leistenbruch, einer Blinddarmreizung oder Nierensteinen kommen.
  • Taubheit im Genitalbereich oder Bein, Inkontinenz oder Lähmungserscheinungen – Verdacht auf ein Cauda-equina-Syndrom.

Und auch ohne Warnzeichen gilt: Wenn die Schmerzen nur bei Belastung auftreten, aber länger als zwei Wochen anhalten oder trotz Übungen zunehmen, lass es orthopädisch ansehen.

Aus der Praxis

„Seit gut vier Monaten Schmerzen in Knie und Gesäß. Spaziergänge oder Sitzen mühsam. Mit meinen gesammelten Übungen aus Pilates, Physiotherapie und Yoga konnte ich die Schmerzen wenigstens auf dem Stand halten, mehr ging nicht. Mit Peter kam ich schnell in einen wirksamen …“ Austausch. Er hatte auf meine vielen Fragen immer eine fundierte Antwort. Insgesamt drei Sitzungen, davon zwei mit Akupressur.“

Gabriele · 5 von 5 Sternen · Patienten-Bewertung, 13.12.2022
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